Wort zur Woche

3. Sonntag nach Epiphanias

Wochenspruch: „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ Lukas 13,29

Leitmotiv: Christus für alle Welt

Am Ende sitzen wir alle zu Tisch. Es gibt was Gutes. Uns wird voll eingeschenkt.

Alle auf Augenhöhe. Der Tisch ist rund. Ohne Präsidium. Ohne Katzentisch.

Ohne Angst. Ohne Peinlichkeit. Ohne Heuchelei. Ohne Krampf.

Wir reichen uns die guten Gaben. Wir genießen. Jeder für sich und alle miteinander. Nur er, der uns geladen hat, sitzt nicht in der Runde. Er hat zu tun. Denn heute ist sein großer Tag. Wir erfüllen seine Freude. Wir lassen es uns gefallen, dass er uns bedient. Er wäscht uns die Füße. Er salbt uns mit Öl. Wellness pur.

Er steht hinter uns. Er wendet sich jedem ganz persönlich zu.

Genauso wie schon hier. Aber hier sehen wir ihn nicht. Darum sorgen wir uns und klagen bitter, im Stich gelassen zu sein.

Dann endlich gibt es keinen Zweifel mehr.

Hans-Arved Willberg

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Wort zur Woche

2. Sonntag nach Epiphanias

Wochenspruch: „Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ Johannes 1,17

Leitmotiv: Jesus bringt Freude ins Leben

Es gibt mehr. Das Gesetz des Mose war eine wirklich tolle Sache. Revolutionär im Kontext der orientalischen Gottkönigspolitik des zweiten vorchristlichen Jahrtausends. Ungleich humaner. Echter Fortschritt. Stringent abgeleitet von dem einen Gott Israels, dem Gott, der sein nahes Dasein zusagt, der das Kleine groß macht, der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit liebt, dem Gott, der sieht.

Aber es gibt mehr. Die Propheten haben es angekündigt, aber wer hat es wirklich geglaubt? Und die es glaubten, konnten es nicht fassen. Sie ahnten es nur.

Es gibt mehr: Gnade und Wahrheit. Das Gesetz ist ein Zaun. Gnade und Wahrheit hebt ihn weg. Denn Gnade und Wahrheit lässt sich nicht reglementieren. Und macht vor keiner Grenze halt. Setzt sich unaufhaltsam durch. Ist unersättlich. Duldet keine anderen Götter neben sich.

Alles muss Gnade werden, alles Wahrheit. Alle Gnadenlosigkeit und alle Lüge muss schwinden wie die klamme Morgenfeuchte nach der Nacht. Überall hin muss die Sonne.

Herr Jesu, Gnadensonne, wahrhaftes Lebenslicht.

Hans-Arved Willberg

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Wort zur Woche

1. Sonntag nach Epiphanias

Wochenspruch: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Römer 8,14

Leitmotiv: Die Taufe Jesu

Bekanntlich weht der göttliche Geist, wie er will. Nicht in Windkanälen. Nicht in Turbinen gezwungen, durch Düsen gepresst. Nicht von Mühlenflügeln produziert. Du kriegst ihn nicht zu fassen. Du siehst nur, dass er wirkt.

Er setzt dich in Bewegung. Er lässt dir keine Ruhe. Er leistet dir Widerstand. Er belebt dich als sanfte Brise und drückt dich weg als unerbittlicher Sturm.

Kraft ist er. Lebenskraft. Beflügelnder Auftrieb. Er drängt zum Ziel: Dass Friede wird.

Es ist keine Liebe, sagt die Enttäuschte. Ihn hat es weggezogen. Immer war er auf der Flucht vor dem Leben. Verschanzt hat er sich, belogen hat er sie. Sie spürt den Sog ihm nach. Den Fliehenden zu fassen kriegen. Der Wind steht ihr entgegen. Sie widersteht und lässt ihn los. Es muss Liebe sein, antwortet sie und atmet auf. Und atmet ein den Geist der Freiheit. Endlich kommt Hoffnung auf.

Mit Wasser wird er getauft, um ganz Mensch zu sein. Damit die Widerstehende nicht einsam bleibt. Damit der Fliehende nachhause kommt. Dass Frieden wird.

Mit Geist tauft er jeden, den er findet. Wirbelt ihn auf. Bringt ihn auf Trab. Weckt ihn auf vom Tod. Bläst ins Leben. Beweist dir, dass du Flügel hast. Weil du auf einmal merkst, dass du auffährst wie ein Adler.

Hans-Arved Willberg

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abkratzen

neoromantischer nachgesang

abgekratzt
kritzeldatzelduljen
dreck
müll
störung

popel
rotz
hinderlich

aber
nicht der rede wert
keiner rede wert
nicht einmal
bemerkenswert
einer bemerkung wert

nicht einmal
bemerkt

weggekratzt
weggeworfen
als wäre nichts

asche zu asche
staub zu staub
dreck zu dreck

kadaver
zur kadaververwertung
leiche
in die kiste
und weg
unter
den boden

entsorgt
die sorge los
eine
störung
weniger
immerhin

während sich
die liebe
sehr einsam
durch die öde schleppt
brüllend
heulend
ungehört

dort
draußen
stirbt
sie
immer
hin
immerzu

die wunde
blutet
immer
noch

o gott

o haupt
voll blut
und
wunden

du
edles angesichte
du
mensch

Copyright H.A. Willberg

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Ich sehe dich

Predigt zum 2. Sonntag nach dem Christfest

Text: Johannes 1,43-51

Eine geheimnisvolle Unterredung ist das zwischen Jesus und Nathanael. Es wird nicht klar, warum Nathanael plötzlich völlig davon überzeugt ist, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Das Wesentliche des Erkennens vollzieht sich in der persönlichen Begegnung. Johannes berichtet es uns nicht, weil es nicht berichtet werden kann. Denn es ist nicht mit Worten zu vermitteln.

Johannes berichtet. Tatsächlich gehört das Wort „Bericht“ zur Wortgruppe „Richten“. „Berichten“ meinte früher einmal „recht machen, einrichten“. Der Sprachgebrauch machte daraus neben dem „Bericht“ auch die „Berichtigung“. Wir legen uns etwas zurecht, damit es richtig wird. Dass keine Unklarheiten und Widersprüchlichkeiten darin sind. Dass es jedem Gerichtsurteil stand hält.

Wir alle kennen das: Zuerst berichten wir spontan, reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Dann fangen wir zu überlegen an. Und wir beginnen, unsere Aussagen zu berichtigen. Wir glätten, feilen, sortieren, sortieren aus. Wir wollen der Wahrheit dadurch näher kommen. Aber seltsam, wir merken: Irgendwie stimmt was nicht daran, es wird so kompliziert, Zweifel hat sich eingemischt; einerseits war es so, andererseits aber auch wieder anders – was war es denn nun eigentlich? Kann das sein: Je richtiger ich es machen möchte, desto weiter entferne ich mich von der Wahrheit? Das ursprüngliche Erlebnis erstarrt in Richtigkeiten. Aber stimmt das denn überhaupt noch?

Was ich hiermit angedeutet habe, ist das Problem aller Orthodoxie. Der lutherischen Orthodoxie zum Beispiel, die schon sehr bald nach Luthers Tod die große Leistung vollbrachte, aus dem glühenden Gold der reformatorischen Verkündigung das scharfe Schwert der verbindlichen nachreformatorischen Dogmatik zu schmieden. „Ortodoxie“ heißt „Rechtgläubigkeit“. „Orthos“ bedeutet „richtig, geradelinig“, „doxa“ bedeutet „Meinung“. Orthodoxie: Die richtige Meinung. Die lebendigen Glaubensberichte werden zurechtgelegt, in eine systematische Ordnung gebracht, unorthodoxe Auslegungen sperriger Berichte werden berichtigt, auf eine gerade Linie gebracht, passend gemacht für das dogmatische System. Verarbeitet. Dabei erstarrt das lebendige Glaubenszeugnis. Der glühende Lavastrom der wahren Liebe Gottes für uns Menschen erkaltet und gerinnt zu hartem, dunkelgrauem Gestein. Im schlimmsten Fall bleibt nur noch eine kalte Ordnung verfügter Richtigkeiten übrig. Die lebendige Wahrheit ist zu Paragraphen geworden, der lebendig machende Geist zum toten, tötenden Buchstaben. Der Zweifel wird nur noch dadurch gebändigt, dass sich die Daten reimen: So passt es doch immerhin am besten zusammen, also wird es doch so richtig sein. Hauptsache, dass es richtig ist. Und wehe, es wäre falsch. Fiele dann nicht der ganze Glaube in sich zusammen?

Johannes ist kein Dogmatiker. In ihm pulst die Urgewalt des Evangeliums und er will, dass sie auch den Leser erfasst und erfüllt. Evangeliumsverkündigung bedeutet für ihn, dass wir vom Magma des Liebesvulkans Gottes in seiner Menschwerdung erfasst und selbst zu hell brennenden Lichtern werden, zu wahrhaft liebenden Menschen.

Darum versucht Johannes das scheinbar Unmögliche: Vom wahren Leben so berichten, dass es nicht als erstarrte Lava ankommt, als ein Richtiges, aber nicht Lebendiges und erst recht nicht Lebenserfüllendes, sondern als das Leben selbst. Das ist sein Motto. „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ Das Wort will immer Fleisch werden und unter uns wohnen. „Das Licht scheint in der Finsternis“. Johannes verbreitet nicht Richtigkeiten über das Licht. Er will, dass es uns aufgeht. Sein Bericht ist Zündholz, wir, die Hörer, sind die Reibefläche. Es soll funken und brennen in uns. Das Leben soll auch uns erscheinen.

Darum berichtet er am Anfang seines Evangeliums diese Variante der ersten Jüngerberufung: „Komm und sieh!“ Begegne. Martin Buber hat es auf den Punkt gebracht: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ In der Begegnung mit Jesus wandelt sich der rechtgläubige Nathanael zum Christusbekenner. Wandlung: Geheimnis des Glaubens. Nun wird er Jesus folgen.

Folgen ist Gehorchen. Es gibt ein Folgen des Glaubens, das von Richtigkeiten bestimmt ist und es gibt das Folgen lebendiger Weggemeinschaft. Ein Folgen in Angst und ein Folgen in Vertrauen. Mache ich auch alles richtig? So fragt, wer in Angst folgt. Weh mir, wenn ich etwas falsch mache! Das ist der Gehorsame, der sich vor Strafe fürchtet. Darum folgt er. Nicht, weil er will. Nicht, weil er versteht. Sondern weil er muss. Das ist eine Frömmigkeit, die nicht aus der lebendigen Christusbegegnung hervorgeht. Das Geheimnis des christlichen Glaubens ist aber das Geheimnis der persönlichen Liebesbeziehung zu Jesus Christus. Gehorsam gegen Gott ist nur dann wirklich Gehorsam, wenn er selbstverständlicher Ausdruck dieser Liebesbeziehung ist. Wider-williger Gehorsam, Gehorsam wider den Willen also, ist nicht wahrer Gehorsam, weil er von Angst bestimmt ist.

Darum wurde Gott Mensch: Dass wir im Menschen Jesus seiner Liebe leibhaftig und glaubwürdig begegnen können. Wir brauchen das. Wenn uns nicht das Licht seiner Liebe aufgeht, bleiben wir in Angst. Unser Glaube kommt nicht über das Bekenntnis zu Richtigkeiten hinaus. Er wird nicht Fleisch, er wird nicht lebendig. Er wird von Angst bestimmt. Er fürchtet sich vor Strafe.

„Gott ist die Liebe“, schreibt Johannes. „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“ Vollkommen bedeutet nicht: Alles richtig zu machen. Ganz und gar nicht! „Vollkommen“ meint in der Bibel etwas ganz anderes als „perfekt“. Es meint „völlig“, „ganz“, „ungeteilt“. Vollkommen in der Liebe zu Gott sein heißt: Wirklich vertrauen. Sonst nichts. Und sich nicht fürchten bedeutet nicht Pfeifen im dunklen Wald – Augen zu und durch. Ganz und gar nicht. Sondern: Augen auf und Gottes Liebe sehen! Konsequent weg vom Furchterregenden und hin zum Licht, zum Leben, zur Liebe. Vollkommen weg von der Angst, völlig hin zum Trost, ungeteilt, mit ganzem Herzen, mit voller Konzentration.

Wo das Licht ist, da ist der Trost. Nicht einfach nur, weil es hell ist. Helligkeit ist nicht automatisch tröstlich. Licht kann gnadenlos, kalt und sehr unpersönlich sein. Nicht aber das Licht der Liebe Gottes. Es ist voller Gnade, Wärme und es ist sehr persönlich. Es strahlt in der persönlichen Begegnung mit der ganz menschlichen, warmherzigen und überaus freundlichen Erscheinung Gottes in Jesus Christus auf. Es ist das pure Leben. „Das Leben ist erschienen, und das Leben war das Licht der Menschen“, bezeugt Johannes in den Eingangsversen seines Evangeliums. Nichts als wahres Leben begegnet in Jesus. Und dieses wahre Leben ist voller Liebe. Nichts als Liebe ist dort, wo das wahre Leben ist. Das Geheimnis des Glaubens ist das Geheimnis wahren, wirklichen Lebens. „In ihm ist das Leben“, berichtet Johannes. Er will es nicht nur berichtet haben. Er will es vermitteln.

Das Geheimnis des Glaubens offenbart sich in der Erfahrung und Gewissheit, persönlich von Gott gesehen zu werden. Das ereignet sich zwischen Jesus und Nathanael: Jesus sieht ihn und indem er ihn sieht, begegnet ihm Gott. Dieses Sehen ist ein tiefes, barmherziges, vollkommen bejahendes Verstehen. Das erreicht und berührt Nathanael. Es überzeugt ihn von der göttlichen Autorität dieses Menschen Jesus – dass er der Messias ist.

„Ich sah dich“, sagt Jesus zu ihm. Das überzeugt Nathanael. Denn als Jesus das sagt, erfüllt sich sein allertiefstes Bedürfnis: Gesehen zu werden. Angesehen, verstanden und bestätigt zu werden. Das hat sich schon im Gruß Jesu angebahnt: „Siehe, ein rechter Israelit“. Jesus schmeichelt nicht, Jesus versteht. Nathanael ist überrascht: „Woher kennst du mich?“ Er fühlt sich nicht ertappt, er fühlt sich in seiner Würde und Eigenart wahrgenommen, angenommen und geehrt.

Was der Bericht nicht beschreiben kann, weil es nicht in Worte fassbar ist, das ist die Tatsächlichkeit des Gesehenwerdens, die in diesem Augenblick geschieht: Jesu Körperhaltung, der Ton seiner Stimme und vor allem sein Blick, der voller Liebe ist. Seine Ausstrahlung. Das ist die lebendige Begegnung. Sie berührt Nathaneel so tief und klar, dass es keinen Zweifel mehr gibt. Das meint Johannes, wenn er bezeugt: „Wir sahen seine Herrlichkeit.“ Das ist die Herrlichkeit: Der Blick der wahren Liebe des wahren Mitmenschen Jesus. Das ist derselbe Blick, der Petrus im Hof des Hohenpriesters traf, nachdem er Jesus drei mal verleugnet hatte. Der Blick tiefsten Erbarmens, tiefsten Verstehens. Der Blick ohne jeden Hauch des Vorwurfs. Das ist der Blick des Vaters, der den „Verlorenen Sohn“ in seine Arme schließt. Das ist die reine Liebe. Sie vertreibt alle Furcht vor Strafe.

Das „Doxa“ in der Ortho-doxie, das dort „Meinung“ heißt, ist im Neuen Testament ein ganz wichtiges und häufiges Wort. Aber es hat dort eine ganz andere Bedeutung: „Glanz“, „Lichtschein“, „Majestät“, „Ruhm“, „Ansehen“, „Ehre“. Die rechte Doxa des Neuen Testaments ist nicht die richtige Meinung, sondern die Begegnung mit dem majestätischen Glanz der wahren Menschenliebe Gottes in Jesus Christus.

Glaube oder Nicht-Glaube, Leben oder Tod, Liebe oder Verzweiflung, Licht oder Finsternis, Wahrheit oder Lüge. Ob ich hier bin oder dort, hängt ganz allein von dieser Begegnung ab.

Der Bericht ist nicht die Sache selbst. Er ist Wegweiser. Darin hat auch die rechte Lehre, die Dogmatik ihren guten Sinn: Wegweiser zu sein. Schlimm ist es, wenn der Wegweiser mit dem Weg verwechselt wird. Eine Stadtplan von Karlsruhe ist etwas deutlich anderes als Karlsruhe. Eine gute Ortsbeschreibung kann etwas vom wahren Charakter der Stadt vermitteln, aber sie offenbart ihn nicht. Ich muss dort sein, damit sich mir Karlsruhe offenbart. Alles wirkliche Leben ist Begegnung.

Nicht anders ist es mit dem Glauben. Ich muss dort sein, kommen und sehen. Erfahren, dass ich von Gott gesehen bin. Dass ich seiner Liebe glauben kann.

Verkündigung ist Wegweisung. Wohin? Alles kommt darauf an, dass ich den Blick Jesu suche. Das soll meine Antwort auf diese Predigt sein.

Die Physik kennt zwei entgegengesetzte Kräfte, die bei Drehbewegungen auftreten: Die Zentripetalkraft zieht nach innen, dem Mittelpunkt zu, die Zentrifugalkraft treibt nach außen, vom Mittelpunkt weg. Der Blick Jesu ist die Zentripetalkraft, die uns in der Liebe hält und aus der Liebe leben lässt. Das Angesehensein. Unser Ansehen, das wir bei Gott haben. In der Hoffnung und im Vertrauen. Im Licht der Dankbarkeit und Lebensfreude. Für mich selbst bekenne ich mit Petrus: Wenn dieser Blick mich nicht trifft und hält, sind die Zentrifugalkräfte viel zu groß, die mich aus dem Leben in den Tod reißen: den Tod des Vertrauens, den Tod der Hoffnung, den Tod meiner Liebe zum Leben, zu den Mitmenschen, zu Gott. Ohne den Anblick seiner Liebe sind die Gegenargumente viel zu überzeugend. Mit Luther bekenne ich darum: „Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren“. Den Glauben bewahre ich mir nicht selbst und auf erstarrte Richtigkeiten kann ich gern verzichten. Christ, der Retter, ist da. Ich bekenne, dass ich ihn dringend nötig habe.

Amen

Hans-Arved Willberg

 

 

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Wort zur Woche

Weihnachten

Wochenspruch: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“ Johannes 1,14

Leitmotiv: Gott wird Mensch

Fleisch und Blut. Leibhaftig. Müde, hungrig, emotional. Durch und durch menschlich. Anfällig. Unauffällig. Auffallend normal. Mitmensch auf Augenhöhe. Ein Baby wie alle anderen. Ein spielendes Kind. Ein pubertierender Sohn. Ein auszubildender junger Mann. Ein Berufsanfänger mit Gesellenbrief.

Berufen, Mensch zu sein. Nur das und sonst nichts. Nicht Übermensch, nicht Unmensch, nicht Machtmensch. Einfach nur Mensch.

Offensichtlich ist ihm das gelungen. Deswegen konnte zuletzt keiner mehr etwas mit ihm anfangen.

Einfach nur Mensch zu sein. Einfach nur Kind zu sein, zu bleiben, wieder neu zu werden: Kindliches Kind, jugendliches Kind, erwachsenes Kind, altes Kind, greises Kind. Das passt wohl nicht in unsere Welt. Meine Güte, sind wir wirklich so krank?

Nun ja, es müsste ja sonst keine Kriege geben. Auch keine weihnachtlichen Ehe- und Familienkriege. Wir würden vor allem eine sehr gute Zeit miteinander haben. Auch sehr viel spielen miteinander. Ziemlich unverkrampft.

Warum eigentlich nicht? Gott jedenfalls hat beschlossen, es so zu machen. Gott ist ein Menschenkind geworden. Menschenskinder, lasst uns das Leben lieben, wie es ist.

Hans-Arved Willberg

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Wort zur Woche

Dritter Advent

Wochenspruch: „Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“ Jesaja 40,3.10

Leitmotiv: Den Weg für Gottes Reich frei machen

Straßenbau. Planierraupen. Erdbewegung. Alles wird geglättet. Bis die Bahn frei ist und der Verkehr rollt. Bin ich ein Straßenbauer Gottes?

Was ist da schon alles gebaut worden. Ist er gekommen?

Hat sich etwas zum Guten verändert? Sind Menschen freier geworden? Froher? Zufriedener? Natürlicher? Menschlicher?

„Mach’s wie Gott, werde Mensch“ (Franz Kamphaus). Dann wird die Bahn für den wahren Menschen frei.

Hans-Arved Willberg

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Wort zur Woche

Zweiter Advent

Wochenspruch: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ Lukas 21,28

Leitmotiv: Der Helfer und Retter kommt

„Kopf hoch“? Das hat nur Sinn, wenn es was zu sehen gibt. Eine neue Perspektive. Hoffnung, Veränderung. Ein gutes, erreichbares Ziel.

Kann es sein, dass es schon da ist? Dass ich es nur noch nicht sehe, weil ich noch den Kopf hängen lasse und auf den kahlen, kargen Boden starre. „Dies ist der Boden der Tatsachen“, fluche ich mürrisch. „Ich seh doch, wie es ist.“

Der Horizont ist weiter. Es gibt Zukunft. Es gibt Wege, die weiterführen.

Du fühlst dich nicht verstanden? Siehst überall nur schwarze, glatte Wände, finstere Wolken, spürst grausam kalten, starken Gegenwind? Gib nicht auf. Bleib unterwegs. Es wird sich lohnen.

Hans-Arved Willberg

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Wort zur Woche

Erster Advent

Wochenspruch: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Sacharja 9,9

Leitmotiv: Gott kommt in Christus zu uns Menschen

Der König auf Augenhöhe. Nicht der König auf dem hohen Ross. Der menschliche König. Der Menschenfreund. Gerecht, weil er hilft. Er geht nicht an der Not vorüber. Und er geht nicht darüber hinweg.

Warum kann in Haiti nicht geholfen werden? Weil es den Mächtigen nicht darum geht, dass die Not abgewendet wird. Es geht ihnen um den Ausbau ihrer Macht.

Gerecht ist, wer verantwortlich handelt. Warum wird immer noch so wahnsinnig viel Geld für  die Rüstung ausgegeben und so wenig gegen Hunger und Armut getan? Warum müssen jetzt Panzer in die Favelas rollen?

Advent: Friedenszeit. Friede wird, wo Gerechtigkeit wird. Stille Zeit. Zeit des Hörens. Er kommt. Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr weit. Wo schimmert Licht? Zeit der Hoffnung und des Dankens.

Hans-Arved Willberg

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Wort zu Woche

Ewigkeitssonntag

Wochenspruch: „Laßt eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“ Lukas 12,35

Leitmotiv: Das ewige Zuhause

„Umgürtete Lenden“: Das bedeutet Lauf- und Kampfbereitschaft. Hellwach sein. Ganz da sein. Geistesgegenwärtig.

Was ist dran? Was fordert mich heute heraus? Was spricht mich an, damit ich Antwort gebe? Alles Schwierige ist Provokation: Es fordert heraus. Es ist der Anspruch des anspruchsvollen Lebens. Es spricht mich an, indem es sich mir in den Weg stellt.

Anspruchsvoll wird das Leben dadurch, dass wir dem, was uns anspricht, konstruktiv antworten. Hier droht jedoch eine fatale Verwechslung, die wahrscheinlich ein Hauptgrund für sehr viel schwere und leidvolle Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft ist: Wenn du den Anspruch, den du an dein Leben stellst, mit dem Anspruch verwechselst, den das Leben an dich stellt. Das Leben ist nicht für dich da, sondern du bist für das Leben da! Und wenn du für das Leben da bist, wird das Leben auch für dich da sein.

Wenn ich der Anrede des Lebens angemessen antworte, dann bin ich im Leben zuhause. Hier, auf dem Weg, und dann, am Ziel.

Hans-Arved Willberg

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