Was ist Populismus?

„Populus“ hieß bei den Römern das Volk. Popmusik ist Musik für’s Volk, populär ist, was beim Volk ankommt. Mit „-ismus“ können ideologische Anschauungen  mit entsprechenden Zielsetzungen bezeichnet werden; in dieser Hinsicht hat die Endung einen mehr oder weniger negativen Klang. Somit kann man bereits von der Wortgestalt selbst herkommend bestimmen: Populismus ist eine Weise, „das Volk“ zu erreichen, die auf einer bestimmten ideologischen Anschauung beruht. Aber das reicht zur Definition noch nicht hin.

Dem Duden nach ist der politische Populismus eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen.“ Opportunismus bedeutet in diesem Zusammenhang, sich ohne Rücksicht auf moralische Grenzen Vorteil zu verschaffen, indem man das von sich gibt und für sich nutzt, was „opportun“ ist, mit anderen Worten: das, was mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Zielgruppe ankommt und sich für die eigenen Ziele gebrauchen lässt. Demagogie ist Volksverführung, insbesondere durch das Schüren von Angst und Hass.

Das Adjektiv „populistisch“ meint im Gebrauch nicht immer Populismus im engeren Sinn, sondern auch Verhaltensweisen von Personen, die eigentlich nicht dem Populismus zuzurechnen wären, sich ihm aber anpassen.

Wenn man sich anschaut, wofür das Wort „Populismus“ gemeinhin verwendet wird, kann man die Kriterien noch konkretisieren. Demnach ist Populismus

  • ein gezieltes Vorgehen zum Erreichen überwiegend verdeckt gehaltener Ziele, mit denen ideologische und egoistische Interessen verfolgt werden (auch der radikale Egoismus ist übrigens eine Ideologie),
  • eine Art von Rhetorik, die notorisch um jener Ziele willen skrupellos und als viel gebrauchtes Mittel zum Zweck Lügen benutzt,
  • eine Art von Rhetorik, die auf das Schüren von Angst, Hass, Verwirrung und Entzweigung konzentriert ist,
  • eine Art des Argumentierens, das sich notorisch auf dramatische Behauptungen gründet, die nicht durch seriöse und wissenschaftliche Befunde gedeckt sind (mit Vorliebe Verschwörungstheorien),
  • eine Art des Argumentierens, das notorisch wissenschaftliche Erkenntnisse und seriöse Berichterstattung leugnet und der Unwahrhaftigkeit bezichtigt,
  • eine Art des Auftretens, das nicht nur unrealistische Feindbilder züchtet und pflegt, sondern diese selbst ernannten Feinde auch gnadenlos und niederträchtig diffamiert,
  • ein durchweg von Schwarz-Weiß-Gegensätzen bestimmtes Denken,
  • gegründet auf dem Selbstverständnis, im Gegensatz zu den selbsternannten Feinden die höchsten Werte zu verteidigen,
  • darum grundsätzlich besserwisserisch und misstrauisch gegen alle Andersdenkenden,
  • gegründet auf der Selbstrechtfertigung seines unlauteren Verhaltens durch das Dogma von der Heiligung der Mittel durch den Zweck,
  • sehr auf die Reinerhaltung der sozialen Gruppe bedacht, die sie vertritt oder zu vertreten vorgibt,
  • das Erwecken des Anscheins der Volksnähe und des Eintretens für die Interessen des Volks, wobei dieses tatsächlich aber als dumm und manipulierbar verachtet und für die eigenen Zwecke missbraucht wird,
  • eine antihumanistische Demokratiefeindlichkeit,
  • eine Strategie der Vernebelung immer dort, wo es günstig scheint, den Eindruck der Friedlichkeit und Rechtschaffenheit zu erzeugen.

Die Motive der Populisten sind links- oder rechtsextreme politische oder auch religiöse Ideologien, vor allem aber auch egoistische Geld- und Machtinteressen ohne moralische Grenzen und darum auch mit fließendem Übergang zum Verbrechertum und mitunter engen Verbindungen zu diesem. Populisten sind Wölfe, die am liebsten ohne Schafspelz auftreten, einen solchen aber stets im Gepäck führen, um in dieses Gewand gehüllt zu demonstrieren, wie arg übertrieben und verlogen doch die Unterstellungen ihrer Gegner seien.

Sicher gibt es noch weitere Gesichtspunkte, und um zu recht von Populismus zu sprechen, müssen nicht unbedingt alle genannten Kriterien erfüllt sein. Andererseits stehen sie auch durchaus in einem logischen Zusammenhang.

Deutlich wird an dieser deskriptiven Definition, dass der Unterschied zwischen Populismus und Extremismus vor allem durch den Schafspelz bewirkt ist.

 

 

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