Archive für Dezember 2011

Wort zur Woche

Vierter Advent

Wochenspruch: “Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!” Philipper 4,4.5

Leitmotiv: Die Freude über Gottes Ja zu uns

Die Freude ist das Normale. Gewiss gehört das Lastentragen ebenso zur Normalität des Lebens. Nicht aber die Überlastung. Nicht die Überforderung. Nicht das Pfeifen auf dem letzten Loch. Nicht das Getriebensein. Nicht die Niederdrückung.

Freude kehrt ein, wenn die Grenzen fest sind: Meine Würde ist von einem starken Zaun umschlossen. Nicht eingemauert und verschlossen, aber gut geschützt.

Die Bilder von der Krippe im Stall predigen beides: Den Schutzraum und die Offenheit. Hier hat nur Zutritt, wer still sein mag und aufmerksam wahrnehmen will.

Der Stall mit der Krippe ist ein Urbild der Kirche. Und ein Urbild des Herzens. Sei still, wenn du das Geheimnis der Freude entdecken willst. Kehre ein.

Die hohen Herren fanden es einst bequem, die Geburtskirche in Bethlehem zu besuchen, ohne vom Pferd abzusteigen. Der Eingang war groß genug. Man fand eine gute Antwort: Der Eingang wurde zugemauert. Nur eine Fugängerpforte blieb. Wer nun hinein wollte, musste herunter von seinem hohen Ross.

Du musst herunter vom hohen Ross, wenn du die Freude finden möchtest. Du kannst sie nicht schnell mal eben durch’s Autofenster in dein Leben holen wie den Hamburger bei McDrive. Sie verschließt sich deiner Kamera. Sie will gesehen werden, angeschaut, betrachtet, meditiert.

Dann blüht sie dir auf, mitten in der Nacht, mitten im Winter.

“Und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht.”

Hans-Arved Willberg

Meditation

Freitag nach dem 3. Advent

Offenbarung 3,1-6

Meditation

Donnerstag nach dem 3. Advent

Jesaja 40,1-11

Wort zur Woche

Dritter Advent

Wochenspruch: “Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig.” Jesaja 40,3.10

Leitmotiv: Wegbereitung für Gottes Kommen

Es geschieht wirklich in dieser Reihenfolge: Erst mein Bereiten, dann sein Kommen. Ich habe das lange Zeit falsch verstanden, weil ich falsch belehrt war. “Werkgerechtigkeit” sei mein vorlaufendes Tun, auf das Gott mit seinem Segen erst reagiert. Umgekehrt müsse es gedacht werden: Alles liegt an Gottes Segen, mit meiner Macht ist nichts getan. Erst wenn Gottes Geist in mir Raum finde, könne ich seinen Willen tun.

Das sehe ich auch heute so: Alles liegt an Gottes Segen und wenn nicht sein Geist mich bewegt, seinen Willen zu tun, dann bewegt mich gar nichts dazu. Es gibt eine vorlaufende Gnade, die unserem vorlaufenden Tun vorausgeht, die es überhaupt erst in Gang bringt. Es gibt eine begleitende Gnade, die es uns überhaupt ermöglicht, unser vorlaufendes Tun zu verwirklichen. Und es gibt eine Gnade des Erfolgs, eine Segensspur, die wir hinterlassen dürfen. Und nicht zuletzt gibt es die Vergebungsgnade, die uns im Scheitern schützt und uns zu immer neuem Anfang ermutigt. Aber ich selbst bin es, der sich bewegen lässt oder nicht und der sich bewegt oder nicht. Aus mir selbst heraus, weil ich es will. Nicht, weil ich muss. Und nicht, weil ich dafür belohnt werde. Hierin liegt der Unterschied, denn nicht jenes, sondern dieses ist Werkgerechtigkeit: Tun, was Gott sagt, um Lohn dafür zu bekommen. Ein Handel, ein Arbeitsvertrag. Aber das ist nicht echt, es kommt nicht von Herzen, es bleibt ohne Liebe.

“Wegbereitung” ist ein Hauptbegriff in Dietrich Bonhoeffers Ethik. Er meint nicht nur das Vorlaufende, sondern auch das Vorläufige. Das, was aus unseren eigenen, menschlich begrenzten Entscheidungen im Horizont unseres eigenen Urteilens hervorgeht. Das, wovon niemand sagen kann: “Jetzt habe ich ganz lupenrein den Willen Gottes verwirklicht.” Sondern das Bessere im Unterschied zum Schlechteren, oft auch nur das geringere Übel. Nicht den reinen Willen Gottes, der mir irgendwie glasklar aufleuchtet, sondern das, was nach meinem Kenntnisstand so etwa in diese Richtung geht, rein nach dem Gewissenskompass, rein nach der Stimme des Herzens, nicht aber auf festen Schienen und nach Fahrplan.

“Nicht ein ‘absolutes Gutes’ soll verwirklicht werden, vielmeher gehört es zu der Selbstbescheidung des verantwortlich Handelnden, ein relativ Besseres dem relativ Schlechteren vorzuziehen und zu erkennen, daß das ‘absolut Gute’ gerade das Schlechteste sein kann.” Dieterich Bonhoeffer

Hans-Arved Willberg

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