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Archive für November 2011
Wort zur Woche
26.11.2011 von Hans-Arved Willberg.
Erster Advent
Wochenspruch: “Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.” Sacharja 9,9
Leitmotiv: Gott kommt in Christus zu uns Menschen
Der Friedenskönig kommt. Danach sehne ich mich sehr. “Der Bräutigam kommt!” heißt es im Gleichnis von den zehn Jungfrauen. “Zion hört die Wächter singen, das Herz tut ihr vor Freude springen”, heißt es im Choral dazu. “Ihr müsset ihm entgegengehn.”
Gehen, wohin mein Herz mich treibt. Nicht in die Resignation. Nicht in den Groll. Das ist Selbstbetrug. Sondern in die Freude. In das Geliebtwerden und Lieben.
Die Liebe zu Gott bestehe vor allem darin, sich die Liebe Gottes gefallen zu lassen, sagt Dietrich Bonhoeffer. Dein König kommt! Kein Fremder. Keiner, vor dem du dich verkriechen musst. Keiner, den dein Herz hasst. Dein König. Dein einer, geliebter Freund.
Es scheint so viel dagegen zu sprechen. Mein Herz hat große Angst, dass er doch als Diktator einrollt. Mit seiner Panzermacht. Wehe, du beugst dich nicht! Mein Herz ist beunruhigt. Es hat zu viel zwiespältige Auslegung der Freudenbotschaft genossen und zu viel Erschreckendes mit den so genannten Auserwählten erfahren. Es zweifelt sehr daran, zur Elite derer gehören zu dürfen, die sich freuen dürfen. Weil sie so brav und ergeben sind. Es zweifelt stark daran, ob es zu dieser exklusiven Auserwähltenschar der besonders Frommen überhaupt gehören will. Es will verzagen und verbittern.
Es zweifelt. Es ist sehr verletzt. Aber es hört die Wächter singen. Sie singen schön. Sie singen rein. Sie singen ehrlich. Sie singen gut. Sie singen wie meine Osteramsel früh am Ostermorgen, weil sie aus tiefstem Herzen singen müssen. Sie singen ohne Zwiespalt.
Da freut sich mein Herz. Es atmet auf. Es reibt sich die Augen. Es lässt sich überzeugen. Es “wachet und steht eilend auf.”
Wenn dein König kommt, verstummt das dumpfe, wichtigtuerische Geschwätz. Nicht das dumpfe Grollen der Panzer bringt es zum Schweigen, nicht die Angst, sondern die Freude. Die erfüllte Sehnsucht. Endlich ganz Mensch sein dürfen. Endlich verstanden, endlich ganz und gar gewollt, endlich glaubwürdig geliebt. Das große Ensemble der himmlischen Heerscharen tritt auf und durchdringt Himmel und Erde. Alles ist Leben, alles Musik.
Hans-Arved Willberg
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Beziehungs-los: Predigt über Singledasein und Partnerschaft
21.11.2011 von Hans-Arved Willberg.
Predigt “Beziehungs-los” beim @home-Gottesdienst am 20.11.11
Ort: Ev. Kirchengemeinde Graben-Neudorf. Inhalt: Die Ergänzung derGeschlechter gehört zur Grundausstattung des Menschen. Darum ist die große Sehnsucht nach Partnerschaft gesund, gut und normal. Wichtig ist aber auch, dass man es richtig anpackt und nicht zu früh aufgibt. Dazu ist Sozialkompetenz gefragt. Es wird erläutert, was darunter zu verstehen ist. Es kann aber auch sein, dass der Zeitpunkt kommt, an dem jemand aus gutem Grund sagt: Ich bleibe Single. Das wird kaum ohne Trauer gelingen. Aber auf dem Weg des Trauerns kann neuer Sinn gefunden werden.
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Wort zur Woche
19.11.2011 von Hans-Arved Willberg.
Letzter Sonntag des Kirchenjahres
Wochenspruch: “Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.” Lukas 12,35
Leitmotiv: Die ewige Stadt
Bereit sein zum Aufbruch. Loslassen, zurücklassen. Geordnet leben. Nicht viel besitzen, was heißen soll: Nicht viel besetzt halten, denn je mehr ich besetze, desto mehr muss ich räumen, wenn die Stunde des Aufbruchs kommt. Verwalten, ja, und dankbar in Anspruch nehmen, was ich zum Leben brauche. Großzügig genießen und Verantwortung übernehmen. Aber Reichtum ist nur durch Verantwortung legitimiert. Alles, worüber ich Macht habe, was ich aber nicht zum Leben brauche, ist mir nur zur Verwaltung anvertraut. Damit ich es nicht besetze, sondern dass ich es einsetze und umsetze zum Wohlergehen anderer. Sonst besetzt mich der Besitz. Sonst werde ich vom Besitz besessen. Sonst bin ich besessen. Glaube niemand, dass Besessenheit eine dämonische Erkrankung sei, die ihn befallen mag wie der Grippevirus. Glaube niemand, dass er angekettet wird. Wir ketten selbst. Wir halten fest. Das Geld tut uns nichts. Wir selbst raffen und horten. Niemand besetzt uns. Wir selbst entscheiden uns für die Unfreiheit. Wir selbst sind verantwortlich.
Lenden gürten, was bedeutet: sich reisefertig anziehen, und Lichter brennen lassen ist bewusste, gewollte Aktivität, entschiedenes Gegenprogramm zu Resignation, Lethargie, Verdrängung, schädlicher Bequemlichkeit. Unsere inneren Schweinehunde haben keine Lust dazu. Es ist ihnen zu kalt da draußen. Sie wollen sich gern einigeln in Untätigkeit. “Ein schönes Leben führen” sagen sie dazu. Das muss man sich leisten können. Dafür baut sich der reiche Kornbauer seine Speicher: Bequemlichkeit als höchstes Lebensziel. Dafür verheizt er die Ressourcen. Dafür speist er die Bedürftigen vor seiner Tür mit Almosen ab.
Es gibt immer etwas, wozu wir uns aufraffen müssen, wenn wir weiterkommen wollen. Heute ist Mut und Entschlossenheit gefragt. Loslassen und neu hinein ins Leben. Ganz konkret, weil das Weitergehen immer nur in ganz konkreten Schritten besteht. Heute ist Aufbruch angesagt. Immer heute.
Hans-Arved Willberg
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Wort zur Woche
12.11.2011 von Hans-Arved Willberg.
Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
Wochenspruch: “Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.” 2. Korinther 5,10
Leitmotiv: Das Endgericht
Offenbar zu werden setzt voraus, dass es etwas gibt, das zu offenbaren ist. Eine noch verborgene Wahrheit. Die postmoderne Leugnung fest stehender, allgemein verbindlicher Wahrheiten überhaupt scheint die Verweigerung eines logischen Schlusses zu sein, den in der Praxis jeder zieht, so wie kein vernünftiger Mensch behauptet, das Ergebnis von zwei plus zwei sei ein Fragezeichen. Wir entkommen der Wahrheit nicht. Die Behauptung, es existiere überhaupt keine wirkliche Wahrheit, kann nur dann sinnvoll sein, wenn sie für ihre Aussage Wahrheit beansprucht: “Ich sage euch die Wahrheit: Es gibt kein Wahrheit!” Also gibt es sie doch: Deine Wahrheit. Ich wundere mich, wie verbreitet dieser Denkfehler derzeit ist und mit welcher diktatorischen Macht er auftritt. Mit militantem Absolutheitsanspruch wird jeder Absolutheitsanspruch verteufelt. Was ist ein Absolutheitsanspruch? Nichts anderes als die Behauptung einer unumstößlichen Wahrheit.
Diese merkwürdige Kurzschlüssigkeit des Denkens selbst klügster Köpfe entsteht aus der falschen Annahme, dass wahr nur etwas sein könne, das man begreifen, beschreiben, ausmessen, wiegen kann. Demgegenüber hat Jesus darauf hingewiesen, dass der Geist der Wahrheit, der Heilige Geist, das Wesen der Wahrheit schlechthin, dem Wind vergleichbar nur von seinen Wirkungen her rückschließend wahrgenommen werden kann. Weil sich Blätter bewegen, weil ich einen gewissen Druck auf der Haut spüre, folgere ich daraus den Wind, der mir selbst aber ungreifbar und unsichtbar bleibt. Hinter jeder Wirkung ist ein Wesen, alles Dasein weist hinter sich zurück auf ein Sein, dem es entstammt. Von Nichts kommt nichts. Wir wissen das Dasein, es ist Natur, und die Lehre vom Wissen um die Natur nennen wir Naturwissenschaft. Aber das Sein, das Wesen, die Wahrheit der Dinge schlechthin, wissen wir nicht, denn das ist uns unbegreifbar. Wir können das nur glauben und wir können nicht anders, als es glauben zu müssen.
Da hinein redet der Wochenspruch: Auch wenn ihr es nicht glauben wollt, ihr müsst es doch glauben und ihr werdet es einmal nicht mehr leugnen können: Es ist eine Ewigkeit, es gibt Letztgültiges, darauf seid ihr Menschen bezogen. Ihr seid darum verantwortlich, jenseits aller Relativierungen. Und das wird sich offenbaren.
So ist alles Ewige: Es kann nicht gewusst werden, es kann sich nur offenbaren. Es ist und bleibt Geheimnis. “Richterstuhl Christi” sagt Paulus zum Mysterium der letztendlichen Offenbarung, die alle Lüge und allen bloßen Schein wegnimmt. Das ist eine paradoxe Formulierung, die zum Meditieren einlädt: Den Platz des strengen Richters nimmt der barmherzige Erlöser ein. Der wahre Mensch. Das ewige Leben ist die vollkommene Herrschaft der Liebe.
Hans-Arved Willberg
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Predigt über das Böse und das Gute
6.11.2011 von Hans-Arved Willberg.
Predigt zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahres über Lukas 11,14-23
Ort: Ev. Johannis-Paulus Gemeinde, Karlsruhe-Südstadt. Inhalt: Was ist böse? Was ist gut? Es kommt darauf an, dass wir zwischen dem äußeren und dem inneren Bösen und Guten unterscheiden. Dass wir das Äußere nicht verharmlosen, aber auch keine unangemessenen Rückschlüsse aus dem Äußeren auf das Innere ziehen.
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Wort zur Woche
5.11.2011 von Hans-Arved Willberg.
Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres
Wochenspruch: “Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.” 2. Korinther 6,2
Leitmotiv: Gottes Reich kommt
Jetzt. Heute, wenn sie mit dem Feuer spielen. Wenn sie ihr Machtroulette spielen und dabei wieder um der eigenen Eitelkeit willen das Schicksal der Welt einsetzen. Wenn sie sich dreist über alle Vernunft hinwegsetzen und die Menschenrechte mit Füßen treten. Wenn Russland den Massenmörder Assad einen guten Menschen heißt, um seine Militärpräsenz am Mittelmeer nicht zu gefährden. Wenn der Iran aller Welt die lange Nase macht und weiter an der Teufelsbombe bastelt. Wenn Israel sein Schofarhorn missbraucht, um zum unkalkulierbaren Angriff gegen den Feind im Norden zu blasen. Wenn alle Welt die Terroranarchie und grenzenlose Menschenquälerei in Somalia mit Achselzucken weiter offenen Auges walten und wuchern lässt. Wenn der Anstieg der CO2-Werte nicht nur der chinesischen Profitgeilheit wegen die düsteren Prognosen der Skeptiker noch übertrifft, sondern auch der Verantwortungslosigkeit der US-amerikanischen Weltverbesserer wegen. Wenn in Griechenland eitles Politikergezänk die unberechenbare Destabilisierung ganz Europas riskiert. Wenn in Italien immer noch ein Mann die Macht in Händen hält, der an der Wirklichkeit vorbeilebt. Wenn in Mexiko das organisierte Verbrechen schon seit Jahren einen erfolgreichen “Bürgerkrieg” führt kann, weil der Drogenhandel dort und beim großen Nachbarn USA ein lukrativer Wirtschaftsfaktor ist. Heute. Jetzt.
Jetzt ist die Zeit der Gnade, weil wir jetzt Gnade brauchen. Damit nicht das sensible politische und ökologische Gleichgewicht des Globus unkontrollierbar in die Katastrophe kippt, nur weil die Mächtigen und ihre Massen sich beharrlich weigern, vernünftig zu sein. Damit Friede und Verantwortung wachsen und Krieg und blinder Wahn es immer schwerer haben.
Jetzt, hier und heute, ist der Tag des Friedens und der Verantwortung, bei dir und mir. Der ganz besondere Tag sensibler Wachsamkeit. Heute ist der Tag, um sich dem Leben aufmerksam zu stellen und zu widmen. Achtsam, ehrlich wirklich da zu sein. Zu leben statt sich leben zu lassen. Zu atmen statt zu hetzen. Zu hören statt zu faseln. Heute ist der ganz besondere Tag des Mundhaltens für mich und dich. Tag des Innehaltens. Tag der Stille. Tag der Besinnung.
Sag nicht, dass du gerade wirklich keine Zeit dazu hast. Jetzt ist die Zeit.
Hans-Arved Willberg
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